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Tipps zum Fotografieren in der ästhetischen Medizin
Tipps zum Fotografieren in der ästhetischen Medizin

Tipps zum Fotografieren in der ästhetischen Medizin

Vorher-Nachher-Bilder sind für Spezialisten im medizinisch-ästhetischen Bereich das Aushängeschild für gute Arbeit und Indikator für die Wirksamkeit der Behandlung am Patienten. Besonders auf Social-Media-Kanälen setzen Beautyseiten auf den direkten Bildvergleich, vor und nach einer Behandlung. Diese Portfolios rücken die Fertigkeiten des Anwenders in den Vordergrund, sind somit seine Visitenkarte und können über eine positive Auftragslage entscheiden. Voraussetzung: die Bilder sind richtig geschossen!

Was bedeutet „richtig geschossen“? Wie entstehen ideale Vorher-Nachher-Bilder? Sie können diesen Artikel als kleinen Ratgeber verstehen, welcher die unterschiedlichen Methoden zur visuellen Abbildung von Patienten erläutert, deren Vor- und Nachteile bespricht und dabei auf praktische Beispiele eingeht, sodass diese Fragen beantwortet werden.

METHODEN 

Der Anwender hat die Auswahl zwischen folgenden, unterschiedlichen Methoden der visuellen Abbildung des Patienten:

  • konventionelles Fotografieren (zu medizinischen- und Werbezwecken);
  • Fotografieren unter Einsatz von Vergrößerungsgeräten (Aram und andere)
  • Videoaufnahme;
  • 3D-Modellierung von Hautreliefs (Antera 3D, etc.).

Die Verwendung einer oder mehrerer dieser Methoden ist abhängig von dem Ziel des Fotografierens. Es gibt zwei Hauptziele der Fotodokumentation. Machen wir uns diese einmal deutlich: Soll Werbung für eigene Dienstleistung gemacht oder die Wirksamkeit der Prozedur nachgewiesen werden? Ausgehend von diesen Zielen werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, die sich in die medizinische Fotodokumentation und Werbefotografie aufteilen lassen.

MEDIZINISCHE FOTODOKUMENTATION

Die medizinische Fotodokumentation dient:

  • zum Nachweis der Wirksamkeit der Prozedur
  • zur Qualitätskontrolle der Ausführung der Prozedur
  • zur Veröffentlichung der Ergebnisse der Prozedur (wissenschaftliche Zwecke, Werbung für Präparate)
  • zur rechtlichen „Absicherung“ für den Fall einer Konfliktsituation

Es gilt: Schießen Sie fast identische Fotos, sodass Blickwinkel, Beleuchtung und die Entfernung zum Aufnahmeobjekt möglichst gleich sind. Sicherlich ist es schlichtweg unmöglich, zwei exakt identische Bilder zu schießen. Wenn Sie jedoch diese und folgende Empfehlungen beachten, sind Sie auf einem guten Weg. Es ist wichtig, dass die Fotos vor und sofort nach der Behandlung geschossen werden, sowie bei Wiedervorstellungen und auch bei außerplanmäßigen Vorstellungen, wie im Fall von Komplikationen oder Nebenwirkungen.


Das Setting

Das Setting ist der Bereich, wo die Bilder geschossen werden. Es ist empfehlenswert, immer denselben Ort in der Praxis für die Fotos zu verwenden. Richten Sie sich einen Platz dafür ein. Keineswegs brauchen Sie einen extra Raum, das bringt Ihnen nur unnötige Kosten. Es ist hilfreich sich den Standort des Stativs auf dem Boden zu markieren. So können Sie alles wegräumen und bei Bedarf wieder platzieren. Markierungen sind in allen Fällen sinnvoll, in denen sich die verwendeten Materialien bewegen können (Länge und Höhe des Stativs, Position der Lichtausrüstung und des Patienten).

Qualitativ hochwertiges Licht ist die Grundlage jeder Fotografie. Viele Spezialisten im medizinisch-ästhetischen Bereich verwenden in ihrer Praxis bereits Ringblitzlampen – jedoch nicht immer richtig. Eine Ringblitzlampe ist ein Lichtgerät mit einem Kunststoffgehäuse, an dessen Innenseite kleine LED-Lampen (LEDs) oder eine Halogenlampe in Form einer Röhre angebracht sind (siehe Bild 1). LED-Lampen sind sehr langlebig und müssen nicht ersetzt werden. „Stolperfallen“ bei der Verwendung einer Ringblitzlampe: Ringblitzlampen leuchten sehr hell und können das Modell blenden, daher sind zuvor alle Einstellungen – wie das Modell in den richtigen Winkel zu setzen – zu erledigen. Wenn Sie mit der Lichteinstellung in einem Winkel von 45 Grad fotografieren, sollte Ihre Kamera auf einem zusätzlichen Stativ montiert werden, das in der Nähe des Ständers der Ringblitzlampe aufgestellt wird. Anforderungen an das Stativ: Mindesthöhe 120 cm.

Bild 1

Um Probleme mit unterschiedlichen Körpergrößen von Personen zu umgehen, ist es ratsam, dass der Patient auf einem Drehstuhl sitzt, sodass die Höheneinstellung für das Stativ nicht verändert werden muss. So brauchen Sie sich keine Gedanken machen, auf welcher Höhe Sie jeden einzelnen Patienten aufgenommen haben. Der Hintergrund sollte keineswegs bunt oder glänzend, sondern vorzugsweise matt und dunkel sein. Der Patient selber sollte seine Haare mithilfe einer medizinischen Kappe oder einem Haargummi aus dem Gesicht nehmen und Schmuck, Brillen oder Make-Up entfernen, sobald diese die Behandlungswirkung beeinträchtigen.

Für die medizinische Fotodokumentation ist es zudem wichtig, die Patienten in drei Standardansichten zu fotografieren: Enface, Halbrofil und Profil. So ergeben sich pro Patienten fünf Fotos (siehe Bild 2) - ein Enface-Foto und je zwei Profil- und Halbprofil-Fotos (rechts und links). 

Bild 2

Enface-Blickwinkel

Bei dieser Ansicht ist darauf zu achten, dass die Interpupillarlinie parallel zum Horizont, das Kinn nicht zu abgesenkt oder angehoben ist und der Kopf sich in der maximal möglich geraden Position befindet – ohne nach rechts oder links zu neigen.

Halbprofil

Diese Ansicht wird auch „Dreiviertelprofil“ genannt. Der Patient dreht sich aus der frontalen Position mit seinem ganzen Körper in einer halben Umdrehung, sodass die Nasenspitze den von der Kamera abgewandten Wangenknochen noch nicht gänzlich verdeckt. Es ist darauf zu achten, dass das Kinn nicht zu stark abgesenkt oder angehoben ist.

Profil

Aus der Position der Halbprofilansicht dreht sich der Patient mit seinem ganzen Körper in die Profilansicht (seitwärts). Auch hier darf das Kinn nicht zu stark abgesenkt oder angehoben sein.


WERBEFOTOGRAFIE

Bei der Werbefotografie hingegen handelt es sich um kreative Fotografie und nichtstandardisierte Ansätze, die dazu beitragen sollen, Dienstleistungen zu fördern und beeindruckende Portfolios zu formen. Es geht darum, eigene Dienste im Internet bestmöglich zu bewerben. Der wohl größte Unterschied zur medizinischen Fotodokumentation ist das Fehlen des Vorlagenstandards.

Das Setting

Im Fall der Werbefotografie ist kein Setting vorgegeben. Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten bei den Bildaufnahmen kreativ zu werden – doch an dieser Stelle empfiehlt es sich, einige Grundregeln zu beachten. Da kein standardisierter Blickwinkel erforderlich ist, sollte sich gemerkt werden, wie in etwa der Patient zuvor fotografiert wurde. Denn auch in der Werbefotografie sollten die Bilder ähnliche Blickwinkel und Ansichten besitzen. Zwei Bilder aus komplett unterschiedlichen Perspektiven und auf Grundlage verschiedener Lichteinwirkung, sind mühsam zu vergleichen, wie Sie diesen Vorher-Nachher-Bildern entnehmen können (siehe Bild 3).


Bild 3

Es stellt sich die Frage, ob und vor allem was sich verändert hat. Die Lippen, die Nase oder doch die Wangen? Vermeiden Sie solche Fragen und anschließende Diskussionen, indem Sie direkt zwei möglichst ähnliche Bilder machen.

Make-Up in Nachher-Bildern kann durchaus sinnvoll sein, wenn dadurch der Behandlungseffekt betont wird. So können Sie in folgenden Abbildungen sehen, dass die Lippen mit aufgetragener Schminke den Behandlungseffekt auf dem Nachher-Bild stärker betonen als auf dem Nachher-Bild ohne Schminke (siehe Bild 4). Make-Up kann somit die Behandlungsergebnisse optisch unterstützen und hervorheben.


Bild 4

Seien Sie sich jedoch auch bewusst, dass solche Hilfsmittel negative Wirkungen und Gegenwind mit sich bringen können, sodass lediglich der Lippenstift als Indikator für die volleren Lippen angesehen wird und Ihre Arbeit in Frage gestellt und angezweifelt werden kann. Die Fotos lassen sich weiterhin als gute Beispiele der Werbefotografie beschreiben, da auf die Lichtverhältnisse, Blickwinkel und Ausschnitte geachtet wurde und somit sehr ähnliche Fotos entstanden sind, die den Vorher-Nachher-Vergleich vereinfachen.

Sollte Ihr Patient nach der Behandlung Schwellungen oder Rötungen bekommen, verschieben sie die Fotosession. Ansonsten sind Abschreckung und Ängste vorprogrammiert. Nehmen Sie im besten Fall immer nur repräsentative Modelle.

Auch im Hintergrundbereich dürfen Sie kreativ werden. Geben Sie lediglich Acht darauf, welche Details sich im Hintergrund des Behandlungsraumes befinden. Kekse, Blumentöpfe und Vorhänge sollten sich auf diesen Bildern nicht wiederfinden lassen. Hintergrundplakate oder Werbetafeln mit Ihrem Logo oder Namen hingegen wirken professionell und verweisen auf Sie – Ein kluger Schachtzug. Verwenden Sie auch gerne Mustertapeten, denn die Regel lediglich matte, dunkle Hintergründe zu verwenden tritt hier nicht in Kraft.

Um qualitativ hochwertige Fotos zu erstellen, ist keine professionelle Kamera notwendig, für diese Zwecke kann jedes moderne Smartphone verwendet werden. Wenn Sie jedoch Außenwerbung auf großen Bannern erstellen möchten, sollten professionelle Fotografen herangezogen werden. In allen anderen Fällen finden Sie hier nochmal aufgelistet die benötigte Ausrüstung:

  • ein Smartphone/eine Kamera/ ein Tablet-PC
  • ein Stativ für Smartphone/Kamera/Tablet-PC
  • eine Ringblitzlampe
  • ein Stativ für Ringblitzlampe
  • einen Drehstuhl
  • den Hintergrund (Tapete/ Roll-up etc.)

Mit diesen hilfreichen Informationen Sie sind nun bestens auf die nächste Fotosession vorbereitet!

Quelle: Les Nouvelles Esthétiques Moskau, Paris 

Autor: Artyom Pushkaryov


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