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Mineralöl – Freund oder Feind?
Mineralöl – Freund oder Feind?

Mineralöl – Freund oder Feind?

Alles über den Inhaltsstoff Mineralöl

Verbraucher stellen häufig Fragen zur Verwendung von Mineralöl in Kosmetika: Wie sicher ist es für die Hautgesundheit? Kann man die Produkte bedenkenlos verwenden? Lohnt es sich, auf Mineralöl zu verzichten? Der Hauptgrund für diese Fragen ist, dass es viele Gerüchte rund um den Inhaltsstoff Mineralöl gibt. Denn die Medien - einschließlich des Internets - verbreiten nicht immer verifizierte, wissenschaftlich fundierte und korrekt interpretierte Informationen. Manchmal geschieht dies ganz bewusst, um ein bestimmtes Produkt zu fördern. Es ist einfacher, einen Verbraucher zu schockieren, als sein Vertrauen zu gewinnen. Und Misstrauen gegenüber einem anderen Produkt steigert den
eigenen Umsatz. Wir kennen dies auch aus der Tabakindustrie, Pharmaindustrie und der Zucker- und Fettindustrie. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es auch die Kosmetikindustrie erreicht. Deswegen soll dieser Artikel die Zweifel und Gerüchte beiseite räumen und alle Fakten über Mineralöl neutral darlegen.

Was ist Mineralöl?

Mineralöle jeglicher Art sind farblose, transparente, geruchlose und geschmacklose ölige Flüssigkeiten. Sie sind eine Mischung aus gesättigten Kohlenwasserstoffen und werden aus Erdöl isoliert. Mineralöle, die für Kosmetika bestimmt sind, werden im Gegensatz zu technischen Produkten einer mehrstufigen Reinigung unterzogen, um polyzyklische aromatische
Kohlenwasserstoffe und andere unerwünschte Verunreinigungen zu entfernen, die in technischem Mineralöl vorhanden sein können. Diese gereinigten Mineralöle dürfen weltweit als Bestandteil von Kosmetikprodukten ohne Konzentrationsbeschränkung verwendet werden. 

Der markanteste Unterschied zwischen kosmetischen Mineralölen verschiedener Marken ist die Viskosität. In vielen Produkten wird leichtes, niedrigviskoses, hochgereinigtes in Europa produziertes Mineralöl, das beim Rohstoffhersteller und in namenhaften Laboren strengen Qualitätskontrollen unterzogen wurde, die pharmakopoetischen Anforderungen erfüllt und für die Verwendung in kosmetischen Produkten zugelassen ist, verwendet. Dadurch wird das Vorhandensein von gefährlichen Beimischungen ausgeschlossen.

Wozu wird Mineralöl in Kosmetika verwendet?

Mineralöl wird seit über 100 Jahren in der Kosmetik eingesetzt. Es wird verwendet, um die Haut weich, geschmeidig und seidig zu machen. Dadurch wird das Gleiten verbessert, was besonders bei Cremes und Ölen für Massagen von Vorteil ist. Außerdem dient es dem Lösen verschiedener Inhaltsstoffe. Mineralöl ist chemisch stabil und lässt sich gut mit anderen Komponenten kosmetischer Formulierungen kombinieren. Aufgrund der guten Auflösungsfähigkeit und Inertheit ist Mineralöl häufig ein Bestandteil der Zusammensetzung von Reinigungsmitteln und Make-up-Entfernern. Mineralöl ist leicht emulgierbar und trägt auch zur Emulgierung von Pflanzenölen bei, wodurch Aussehen und Stabilität der Creme verbessert wird. Außerdem wird so das Verteilen anderer Komponenten auf der Haut erleichtert.
Mineralöl wirkt hauptsächlich äußerlich, da es die Haut nicht durchdringt. Je nachdem wie hoch der Mineralölanteil im Produkt ist, bildet es einen mehr oder weniger leichten Film auf der Haut. Dieser sehr dünne Film stört den normalen Gasaustausch nicht. Manche glauben die Haut ersticke darunter – dem ist nicht so. Der dünne Film trägt dazu bei, die Feuchtigkeit in der Haut aufrecht zu erhalten. Man spricht von einer okklusiven Wirkung. Leichte Mineralöle sind weniger okklusiv als schwere, und ihre feuchtigkeitsspendende Wirkung auf die Haut ist viel ausgeprägter. Durch die okklusive Eigenschaft wird Mineralöl häufig in Produkten verwendet, die der Haut Feuchtigkeit spenden sollen. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde festgestellt, dass Feuchtigkeit die Elastizität der Hornschicht beeinflusst und nicht das Öl selbst. Die erweichende Wirkung der Feuchtigkeit beruht auf der Verringerung des Wasserverlustes durch die Epidermis.
Später wurde diese Beobachtung mehrfach bestätigt. Es ist zu beachten, dass nicht nur das Mineralöl, sondern auch andere Öle und ähnliche Inhaltsstoffe eine vergleichbare Wirkung haben, und die Stärke der Auswirkungen in erster Linie von der Viskosität und der chemischen Zusammensetzung abhängt.

Ist Mineralöl sicher?

Laut Pola Begun, einer bekannten unabhängigen amerikanischen Kosmetikexpertin, kommt das Misstrauen gegenüber Mineralöl daher, dass viele nicht zwischen kosmetischem Mineralöl und dem technischen Produkt unterscheiden. Außerdem werden die Informationen von bestimmten Firmen zu eignen Gunsten genutzt bzw. verschleiert. Fakt ist aber, dass mehrmals bestätigt wurde, dass Mineralöl, welches für Kosmetikprodukte bestimmt ist, ein ausgezeichnetes toxikologisches Profil aufweist. Der Grund dafür: es dringt praktisch nicht in die Haut ein und enthält keine gefährliche Beimischung. Auch die Praxis bestätigt die Verträglichkeit von Mineralöl. Es wird beispielsweise als inerter Träger für die Durchführung sogenannter Patch-Tests genutzt, da es ein inertes Material ist, welches keine allergischen Reaktionen auslöst.
Des Weiteren ist Mineralöl für die Kinderkosmetik zugelassen und das sogar in relativ hohen Konzentrationen. Aufgrund der geringen Toxizität und die dadurch bedingte Sicherheit wird es sogar empfohlen.

Dass Mineralöl angeblich Hautkrebs verursachen soll, ist glücklicherweise auch bloß ein Gerücht. Erstens wird - wie bereits erwähnt - kosmetisches Mineralöl im Gegensatz zu technischen Produkten gründlich von Verunreinigungen gereinigt, die eine solche Wirkung haben könnten. Zweitens gibt es keine Hinweise auf eine solche Wirkung von kosmetischem oder pharmakopoetischem Mineralöl auf den Menschen.

Allerdings muss man auch beachten, dass es in der medizinischen Literatur tatsächlich Fälle von akneiformer Kontaktdermatitis gibt. Diese entsteht durch den dauerhaften und angfristigen Kontakt mit Mineralöl. Man muss allerdings beachten, dass die akneiforme Kontaktdermatitis ausschließlich durch dauerhaften und langfristigen Kontakt mit technischem, also nicht gereinigtem Mineralöl, verursacht wird. Dieses findet in Kosmetikprodukten keine Anwendung.

Komedogenität von Mineralöl

Trotz der offensichtlichen Vorteile und Sicherheit von Mineralöl sind sich viele Verbraucher unsicher. Unter den Hautproblemen, die mit Mineralöl verbunden sind, wird häufig von „Komedogenität“ gesprochen. Doch was genau versteht man darunter?

Der Begriff „Acnecosmetica“ entstand Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, um die Manifestationen von Akne zu beschreiben, die mit der Verwendung von Kosmetika verbunden sind. Zu jener Zeit wurde angenommen, dass einige Fette und Öle, einschließlich Mineralöl, diesen Effekt durch das Blockieren der Poren verursachen. 1989 wurde eine Studie zur Komedogenität einer Reihe häufig verwendeter kosmetischer Inhaltsstoffe veröffentlicht, in der das Mineralöl als leicht komedogen befunden wurde, in einer anderen Studie wurde jedoch die Komedogenität von Mineralöl nicht festgestellt. Da beide Studien an Tieren durchgeführt wurden, schlug die American Academy of Dermatology ein Kriterium für die Extrapolation solcher Daten auf den Menschen vor, wonach die Komedogenität von reinem Mineralöl gleich Null war. Später - im Jahre 2005 - wurde eine Humanstudie mit Produkten, die bis zu 30% Mineralölanteil enthielten, durchgeführt. Auch hier wurde festgestellt, dass es keine komedogene Wirkung gab. Natürlich gibt es keine hundertprozentige Garantie, denn jeder Körper reagiert individuell. Es gibt beispielsweise mehrere Fälle von Akne im Zusammenhang mit der Verwendung von gereinigtem schwerem Minerlöl (Petrolatum). Jedoch treten die gleichen Probleme auch bei Pflanzenölen auf.

Was ist besser für die Haut? Mineralöl oder Pflanzenöl?

Diese Frage kann - wie so oft - nicht allgemeingültig beantwortet werden. Alles hängt vom gestellten Ziel ab.

Alle Öle, sowohl mineralische als auch pflanzliche, besitzen eine mehr oder weniger starke Fähigkeit, die Haut (aufgrund ihrer okklusiven Wirkung) zu erweichen, einige Komponenten aufzulösen und eine Emulsionsstruktur zu gewährleisten. Der Hauptunterschied zwischen Pflanzenöl und Mineralöl ist ihre Herkunft und chemische Natur. Pflanzenöle beispielweise enthalten deutlich mehr Einzelstoffe unterschiedlichster Natur. Dementsprechend werden Pflanzenöle in relativ geringen Mengen in Kosmetikprodukten verwendet. Pflanzenöle sollen die Haut mit Vitaminen und essentiellen Fettsäuren anreichern und ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten, um nur einige Punkte zu nennen. Der Wirkmechanismus von Mineralöl ist ausschließlich physikalisch und nicht biochemisch, führt jedoch letztendlich zu einer positiven biologischen Reaktion der Haut. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung neigen Pflanzenöle dazu, ranzig zu werden. Aufgrund dessen müssen den Produkten Antioxidantien zugesetzt werden, welche speziell zum Schutz vor
Oxidationsschäden gedacht sind. Mineralöl ist unter normalen Bedingungen nicht für Oxidation anfällig und erfordert daher keinen Zusatz von Antioxidationsmitteln, wird nicht ranzig und bildet keine für die Haut ungünstigen Produkte des oxidativen Abbaus. Entwickler kombinieren häufig Pflanzen- und Mineralöle, um eine optimale Kombination der Eigenschaften zu erzielen.

Ein Nachteil von Mineralöl sind seine sensorischen Eigenschaften: Im Vergleich mit modernen Emollientien wird es als dicker empfunden (obwohl es in der Empfindung mit vielen Pflanzenölen vergleichbar ist). Dieser Effekt ist bei leichten Mineralölen weniger ausgeprägt als bei schweren (z.B. Petrolatum). Dies gilt insbesondere für reines Mineralöl, während bei fertigen Kosmetika das Empfinden durch die Zusammensetzung der gesamten Fettphase und den prozentualen Anteil jeder Komponente bestimmt wird. Dadurch kann bei fachkundiger Auswahl der Komponenten bestimmt werden, dass auch Personen mit fettiger Haut keine negativen Gefühle haben.

Da Mineralöl aus nicht erneuerbaren Quellen gewonnen wird, eignet es sich nicht für einen nachhaltigen Lebensstil. Für einen nachhaltigen Lebensstil eignet sich nur Biokosmetik. Man muss beachten, dass die Ablehnung von Mineralöl dann von der zivilen Stellung einer Person abhängt und nicht von der Gefahr, die von Mineralöl ausgeht.

Damit sind alle Fakten zum Thema Mineralöl dargelegt. Finden Sie diese überzeugend? Die Wahl liegt bei Ihnen.


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